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Ein Zeichen des christlichen Glaubens

Bericht in SCHWÄBISCHE ZEITUNG vom 19.05.2014 von Michaela Kegel, Burgau
 

Burgau sz Fast zwei Jahre war der Platz leer – doch nun steht das Feldkreuz der Familie Sailer wieder von Dürmentingen kommend am Ortseingang von Burgau auf der linken Seite. Viele Gläubige feierten mit der Familie die Wiedereinweihung, bei der Pfarrer Peter Häring das Wegkreuz segnete.

„Es ist gut, dass wir unseren Glauben durch das Stellen und Erneuern solcher Wegkreuze ausdrücken“, sagte Pfarrer Häring. Vor allem in der oberschwäbischen Landschaft seien solche Kreuze ein „wichtiges Zeichen des Glaubens“. Lange hatten Otto und Gertrud Sailer überlegt, wie sie das im Jahr 1880 errichtete Feldkreuz retten können. Salz und Frostschäden hatten dem unter Denkmalschutz stehenden Glaubenszeichen so zugesetzt, dass es zu zerbrechen drohte. Hermann Minst aus Betzenweiler, der sich um Feldkreuze in der Umgebung kümmert, brachte Familie Sailer schließlich mit der Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin Ulrike Ströbele zusammen, die vor kurzem noch ihre Steinwerkstatt in Jungnau betrieb. Wie Otto Sailer in seiner Ansprache sagte, sei es ab diesem Zeitpunkt mit dem Feldkreuz in die „richtige Richtung“ gegangen. Denn die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin habe sofort das notwendige Feingefühl und Gespür für das Feldkreuz mit Sandsteinsockel und gusseisernem Kreuz gezeigt. Nachdem für die Fachfrau klar war, dass eine Sanierung nicht möglich sein wird, trat sie mit dem Landesdenkmalamt in Kontakt und legte den ganzen Schadensumfang dar. Danach hatte das Amt für Denkmalpflege keine Einwände mehr und es konnte mit der Arbeit begonnen werden. Ein neuer Sandstein musste beschafft werden, aus welchem die Steinbildhauermeisterin entsprechend dem Vorbild des ursprünglichen Feldkreuzes ein neues Werk gestalten konnte. Weil es ein Stein aus der Region sein sollte, schauten sich Sailers und ihre Bildhauerin in einem Steinbruch im Schwarzwald um. Allerdings ging nun keineswegs alles einen geraden Weg: Der erwählte Stein wies einen Riss auf und die Suche nach einem anderen passenden Steinblock ging weiter. Hinzu kam noch das Hochwasser im Bereich Sigmaringen. Außerdem verlegte Ströbele ihre Werkstatt zu ihrem Lebenspartner und Kollegen in die Nähe von Passau. Somit musste auch das in Arbeit befindliche Feldkreuz Sailer den Umzug mitmachen.

Eine ganz besondere Erfahrung

Zwischen Auftrag und Fertigstellung vergingen zwei Jahre, doch man blieb stets in gutem Kontakt und sah das Werk wachsen. Nach der Fasnet besuchten Sailers „ihre“ Bildhauerin Uli sogar in ihrer neuen Werkstatt in Untergriesbach und konnten ihr bei der Arbeit über die Schulter blicken. Sie erlebten mit, wie sie den Sandstein mit feinsten Gerätschaften bearbeitete und dieser – versehen mit Akanthusblätter- und Muschelornamenten – dem Original immer mehr glich. Auch die Inschriften „Zur Ehre Gottes“ und die Hinweise auf die Stifterin, Katharina Sailer, erhielt das neue Steindenkmal. Außerdem wurde auf die Erneuerung im Jahr 2014 durch Familie Otto Sailer verwiesen. Das gusseiserne Kreuz restaurierten Sailers selbst. Der Christuskorpus, die Marienfigur mit Kind und die Ornamente wurden durch Gertrud Sailer in feinen Pinselstrichen mit Goldfarbe gestrichen. Als schließlich vor Ostern die Steinbildhauerin ihr Werk nach Burgau brachte, wurde das Feldkreuz im Beisein vieler Zuschauer aufgestellt. Von großem Vorteil erwies sich hierbei die gute Fahrzeugausrüstung auf Sailers Hof. Zur Einweihung kam auch Steinbildhauermeisterin Ströbele, die zu diesem Anlass die Zunftkleidung der Steinmetze trug. Sie sei mit „großer Ehrfurcht“ an das Werk im Stil der klassischen Bildhauerei gegangen, erklärte sie. „Die Arbeit ist ein schöner Gegensatz zur heutigen schnelllebigen Zeit.“ Die Zusammenarbeit mit Familie Sailer, die sich mit dem Werk ganz bewusst auseinander gesetzt habe, war für die aus Sigmaringen stammende Steinbildhauerin eine ganz besondere Erfahrung. „Wir hoffen, dass unsere Nachwelt eine ebenso große Freude an dem Feldkreuz haben wird, wie wir“, sagte Gertrud Sailer, ehe sich mit den Burgauern eine große Schar zur Maiandacht im Burgauer Käppele versammelte, um anschließend traditionell im benachbarten „Preußischen Hof“ einzukehren.